Interview mit Jurymitglied Susanne Schniete

08.03.2021

Frau Schniete ist bei der DVS im Bereich Landwirtschaft und Naturschutz tätig. Als Teil der Wettbewerbsjury entscheidet sie mit darüber, wer zum Modellbetrieb in den deutschen Mittelgebirgen gekürt wird.

Mittelgebirgsbetriebe – bitte bewerben!

Im Rahmen der 1. Mittelgebirgskonferenz entwickelte der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) mit Fachkundigen aus landwirtschaftlicher Praxis, Verwaltung und Wissenschaft im Jahr 2018 eine Strategie, um die Wirtschaft der Mittelgebirgsregionen zu stärken. Daran schließt nun ein Ideenwettbewerb an: Gesucht werden Modellbetriebe für Bioökonomie.    

Susanne Schniete, den Wettbewerb publik zu machen, liegt Ihnen am Herzen. Warum?

Die deutschen Mittelgebirge − das sind viele Wald- und Wiesenflächen, auf denen teilweise ein großer Artenreichtum zu finden ist. Die vielfältige Landschaft ist insbesondere das Ergebnis der Land- und Forstwirtschaft. Weil die Bewirtschaftung dieser Lagen besonders aufwendig, schwierig und wenig ertragreich ist, geben jedoch immer mehr Landwirte auf. Mit der fehlenden Bewirtschaftung schwindet auch die Artenvielfalt. Betriebe brauchen Perspektiven, um dort zu wirtschaften. Mit dem Wettbewerb sollen Ideen gesammelt werden, wie innovative, nachhaltige und langfristige Produktionsweisen ihren Weg in die Praxis finden können.

Was könnte die Bioökonomie für Mittelgebirgsbetriebe konkret bedeuten?

Ziel der Bioökonomie ist es, nachwachsende Rohstoffe und bisher ungenutzte Reststoffe nachhaltig einzusetzen. Landwirte könnten beispielsweise Agrarholz oder Silphie anbauen, um damit Biogas oder Wärme zu erzeugen und so fossile Brennstoffe zu ersetzen. Wenn der Nährwert von Heu zu gering für das Vieh ist, könnte es zur Herstellung von Dämm-Materialien oder Papier eingesetzt werden. Das Besondere an dem Wettbewerb ist, dass sich alle Teile der Wertschöpfungskette bewerben können: neben land- und forstwirtschaftlichen Betrieben auch solche, die Produkte weiterverarbeiten oder vertreiben.

Wie übertragbar können solche Ansätze sein?

Natürlich sind Mittelgebirge divers. Gemein haben sie, dass die Bewirtschaftung der Flächen durch ihre Ungunstlagen erschwert ist. Mit einem Alleinstellungsmerkmal als Bioökonomiebetrieb könnten Landwirte ihren Bestand vielleicht langfristig sichern. Und ich hoffe, dass Betriebsleiter, die derartige Unternehmenskonzepte bisher noch nicht kannten, darauf aufmerksam werden, oder dass sie den Mut finden, sie auszuprobieren.

Die durch den Wettbewerb gesammelten Ideen und Konzepte sollen für andere Betriebe nutzbar werden.

Welche Ziele verfolgt der Wettbewerb noch?

Die Mittelgebirgsbetriebe sollen mehr Aufmerksamkeit erhalten und die Ansätze einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine Teilnahmebedingung ist, dass sich die prämierten Modellbetriebe für Besuche von Interessierten öffnen. Wir hoffen, dass sie sich ein zweites Standbein als Schulungsbetrieb aufbauen. Vielleicht wird so auch der Begriff Bioökonomie greifbarer.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Anja Rath.

 

Susanne Schniete

ist bei der DVS im Bereich Landwirtschaft und Naturschutz tätig. In der Wettbewerbsjury des DVL entscheidet sie mit darüber, wer zum Modellbetrieb in den deutschen Mittelgebirgen gekürt wird.

Quelle: DVS/LandInForm

 

 


Zurück zur Übersicht
zurück nach oben

Copyright 2021 | Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V.